Kann man unter Wasser MIG schweißen?

Unterwasserschweißen ist ein hochspezialisiertes Gebiet, das sowohl Tauch- als auch Schweißkenntnisse erfordert. Es wird hauptsächlich zur Reparatur und Wartung von Meeresstrukturen, Offshore-Pipelines, Bohrinseln, Schiffen und sogar Kernkraftwerken verwendet. Die beiden Hauptarten des Unterwasserschweißens sind das Trockenschweißen (Überdruckschweißen) und das Nassschweißen.

Trockenschweißen (Hyperbares Schweißen)

Beim Trockenschweißen, auch Überdruckschweißen genannt, wird eine Überdruckkammer verwendet, um eine trockene Umgebung um den Schweißbereich herum zu schaffen. Diese Methode bietet gegenüber dem Nassschweißen mehrere Vorteile:

  1. Bessere Sichtbarkeit: Die trockene Umgebung ermöglicht dem Schweißer eine bessere Sicht und Kontrolle über den Schweißprozess, was zu qualitativ hochwertigeren Schweißnähten führt.
  2. Reduzierte Mängel: Die kontrollierte Umgebung minimiert das Risiko von Schweißfehlern wie Rissen, Porosität und Einschlüssen.
  3. Verbesserte Schweißfestigkeit: Das Fehlen von Wasserdruck und die Möglichkeit, Standardschweißtechniken anzuwenden, führen zu stärkeren und zuverlässigeren Schweißnähten.

Allerdings hat das Trockenschweißen auch einige Nachteile:

  • Spezialausrüstung: Trockenschweißen erfordert den Einsatz einer Überdruckkammer, deren Einrichtung teuer und komplex ist.
  • Höhere Kosten: Die spezielle Ausrüstung und der Bedarf an einem engagierten Support-Team machen Trockenschweißen im Vergleich zum Nassschweißen zu einer kostspieligeren Option.

Nassschweißen

Kann man unter Wasser MIG schweißen?Bildquelle: Mig-Schweißbeispiel

Das Nassschweißen erfolgt direkt im Wasser, ohne den Einsatz einer Überdruckkammer. Diese Methode beruht darauf, dass die durch das Schutzgas erzeugten Blasen den Schweißbereich abdecken und den Taucher schützen. Während Nassschweißen im Allgemeinen kostengünstiger und leichter zugänglich ist als Trockenschweißen, weist es auch einige erhebliche Nachteile auf:

  1. Reduzierte Sichtbarkeit: Das Wasser und die Blasen rund um den Schweißbereich können es dem Schweißer erschweren, den Schweißprozess zu sehen und zu kontrollieren, was zu einem höheren Fehlerrisiko führt.
  2. Erhöhte Mängel: Der Wasserdruck und das Vorhandensein von Wasser im Schweißbereich können das Risiko von Schweißfehlern wie Rissen, Porosität und Einschlüssen erhöhen.
  3. Geringere Schweißfestigkeit: Der Wasserdruck und die Unfähigkeit, Standardschweißtechniken anzuwenden, können zu Schweißnähten mit geringerer Festigkeit und Zuverlässigkeit führen.

Ausbildung und Zertifizierung zum Unterwasserschweißer

Um Unterwasserschweißer zu werden, müssen Einzelpersonen zunächst zertifizierte Schweißer sein und dann eine spezielle Ausbildung zum Unterwasserschweißen absolvieren. Diese Ausbildung kann mehrere Jahre dauern und umfasst die folgenden Schlüsselkomponenten:

  1. Tauchzertifizierung: Unterwasserschweißer müssen zertifizierte Taucher sein, typischerweise mit fortgeschrittenen oder kommerziellen Tauchzertifizierungen.
  2. Schweißtechniken: Die Auszubildenden erlernen spezielle Schweißtechniken, wie die Verwendung wasserdichter Schweißgeräte, das Schutzgasmanagement und die Vorbereitung von Schweißverbindungen.
  3. Unterwassersicherheit: Unterwasserschweißer müssen in Unterwasser-Sicherheitsprotokollen, Notfallverfahren und der Verwendung spezieller Tauchausrüstung geschult werden.
  4. Schweißnahtprüfung und -prüfung: Auszubildende lernen, wie man Unterwasserschweißnähte prüft und testet, um deren Qualität und Integrität sicherzustellen.

Risiken und Gefahren des Unterwasserschweißens

Unterwasserschweißen gilt als einer der gefährlichsten Berufe mit einer hohen Todesrate. Zu den Hauptrisiken und Gefahren, die mit diesem Bereich verbunden sind, gehören:

  1. Ertrinken: Unterwasserschweißer sind ständig der Gefahr des Ertrinkens ausgesetzt, insbesondere bei Geräteausfällen oder unerwarteten Notfällen.
  2. Explosionen: Die Kombination aus Schweißen und der Unterwasserumgebung kann zu Explosionsgefahr führen, insbesondere beim Arbeiten mit brennbaren Materialien oder Gasen.
  3. Stromschlag: Beim Unterwasserschweißen werden elektrische Geräte verwendet, die ein erhebliches Stromschlagrisiko darstellen können, wenn sie nicht ordnungsgemäß gewartet und geerdet werden.
  4. Dekompressionskrankheit: Unterwasserschweißer sind Veränderungen des Wasserdrucks ausgesetzt, die bei unsachgemäßer Handhabung zur Dekompressionskrankheit führen können.

Um diese Risiken zu mindern, investieren Unterwasserschweißer häufig ihr Einkommen, um vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, da die körperliche und geistige Belastung durch den Job erheblich sein kann.

Zusammenfassung

Obwohl es möglich ist, MIG-Schweißen unter Wasser durchzuführen, handelt es sich um einen hochspezialisierten und gefährlichen Beruf, der eine umfassende Ausbildung, spezielle Ausrüstung und ein tiefes Verständnis sowohl der Schweiß- als auch der Tauchtechniken erfordert. Unterwasserschweißen wird hauptsächlich zur Reparatur und Wartung von Meeresstrukturen eingesetzt, birgt jedoch erhebliche Risiken und Herausforderungen, die sorgfältig gemanagt werden müssen. Wer eine Karriere im Unterwasserschweißen anstrebt, sollte bereit sein, die Zeit und Mühe zu investieren, die erforderlich sind, um die erforderlichen Fähigkeiten und Zertifizierungen zu erwerben.

References:
- Schweißen im Wasser
- Was ist Unterwasserschweißen?
- Wie funktioniert Unterwasserschweißen?